Donnerstag, 8. März 2012

Lebenszeichen


Hola!

So, nun lass ich auch mal wieder etwas von mir hören. Langlang ist’s her, dass ich hier was geschrieben hab, aber das ist alles nicht ganz unbegründet.

Die letzten drei Monaten waren ein ständiges auf und ab. Der letzte Blogeintrag ist, wie ich gerade sehe, vom 3. Januar (ups!), also noch ganz am Anfang der großen Sommerpause, die jetzt letzte Woche geendet hat.

Wie ich da ja schon geschrieben habe, sind die meisten unserer Heimkinder Ende Dezember über die Sommerferien zu ihren Familien nach Hause gefahren. So blieb hier im Heim nur eine kleine Gruppe mit wechselnder Besetzung, meist hatten wir so fünf bis fünfzehn Kinder.

Mit diesen sind wir dann direkt Anfang Januar in eine Art Ferienlager in die Berge gefahren. Als ich Ende November zum ersten Mal von diesem Ferienlager gehört hatte, war es mir wie eine super Idee vorgekommen: Zwei Wochen Ferien mit den Kindern, tolle Landschaft, Sonne, Baden im Fluss… Hahaha. Diese Vorstellungen wurden mir schon im Voraus von den Erzählungen der meisten Tías genommen, die alle überhaupt keine Lust auf dieses Ferienlager hatten und unglaublich viel Negatives erzählt haben.
Auch schon in den ersten Wochen hier im Heim ist mir aufgegangen, dass das alles schwieriger werden könnte als gedacht: Die Kinder, die hier geblieben sind, sind nämlich wirklich die allerproblematischsten.
Da haben wir zum Beispiel die siebenjährige Claudina, ein Mädchen, dass wohl schon mit einem Alkoholsyndrom auf die Welt gekommen ist (nicht diagnostiziert, aber man sieht es ihr an), und zudem ihr ganzes Leben sexuell missbraucht worden ist.
Oder Bastian, ein dreizehnjähriger Junge, der wohl ähnliche Erfahrungen gemacht hat, jedenfalls jetzt eine absolut gestörte Sexualität hat, sehr viele seltsame Aktionen bringt (die ich hier jetzt lieber nicht genau ausführen will) und der immer wieder versucht, den kleineren Jungen nachzustellen… Wäre er erwachsen, würde man auf jeden Fall sagen, dass er pädophil ist, bei einem dreizehnjährigen Jungen finde ich dieses Wort aber etwas schwierig…
Und, wer noch? Perfekt in der Kombination mit Bastian eine Zweijährige (auch mit Alkoholsystem), ein Dreijähriger (Nacho, eins meiner Lieblingskinder), und Giovanni, ein Vierjähriger…

An dieser Stelle könnte ich jetzt noch mehr Geschichten von den restlichen zehn Kindern erzählen, von dem siebenjährigen Ruben, der mir erzählt, wie er immer mit seinen Eltern zusammen Wein trinkt; von der vierzehnjährigen Angela, die schon ihr ganzes Leben von Heim zu Heim gereicht wird und sich bereits mit zwölf Jahren für einen Sechzigjährigen prostituiert hat um Geld zu verdienen (wohlbemerkt hier in Santa Bárbara, zu einer Zeit wo sie schon in Heim gewohnt hat…)…
Aber all diese schrecklichen Geschichten gehören schon zum Alltag – ich fühle mich manchmal ganz abgestumpft, das meiste erstaunt einen schon gar nicht mehr…

Das, was ich persönlich jedoch ganz, ganz schrecklich finde, sind die Fälle, die sich direkt hier im Hogar abspielen, worüber aber einfach nicht gesprochen wird. Zum Beispiel gab es vor ungefähr einem Jahr einen Zwischenfall, wo einer der Jungs einen anderen „sexuell missbraucht hat“ – in welchem Umfang weiß ich nicht.
Das Problem hier ist einfach, dass dieses Thema komplett totgeschwiegen wird. Nach diesem Zwischenfall hat unser Chef eine Zusammenkunft mit allen Mitarbeitern einberufen und gesagt, wer über dieses Thema jemals außerhalb des Hogars sprechen wird, kann gleich gehen…

Insgesamt, unser Chef. Das ist ein ganz eigenes Thema für sich, dass sich in den letzten zwei Monaten immer weiter zugespitzt hat.
Zum Beispiel hatten Maria und ich eigentlich mal die Idee, hier eine Aufklärung zum Thema Sexualität zu starten (was ist Sexualität überhaupt, wie verhüte ich, wie verhalte ich mich bei sexuellen Übergriffen, gerade bei Lehrern, Tíos oder ähnlichem…)
Bei der Mitarbeiter-Reunion hat unser Chef diese Idee zuerst als sehr gut befunden (ich meine, wir haben hier eine siebzehnjährige, die gerade Anfang März ihr Kind entbunden hat und einen anderen Siebzehnjährigen, der bald Vater wird!), nur um uns dann aber ein paar Wochen später wörtlich zu sagen „Nein, so ein Kurs wird hier niemals stattfinden, die katholische Kirche verbietet Verhütung, wir sind ein Heim mit den katholischen Werten und so werden wir über dieses Thema nicht sprechen.“
Ich mein, was kann man da noch zu sagen? Verhütung ist eine Sache, aber dieses ganze sexuelle-Missbrauch-Thema ist ja noch mal was ganz anderes, schließlich sind die Kinder hier im Heim um beschützt zu werden!


Aber naja, nun bin ich ein bisschen abgeschweift. Anfang Januar waren wir eben auf diesem Campamento – und es waren die bisher schlimmsten zwei Wochen im Heim.

Die Kinder haben sich einfach so schlimm benommen, dass man sie keinen Moment aus den Augen lassen konnte – das heißt, wir waren 24-Stunden am Tag in Bereitschaft!
Und trotzdem haben es diese Kinder geschafft, nur Scheiße zu bauen: Direkt am ersten Tag ist ein Mädchen ins Haus einer Nachbarin eingebrochen und hat 40.000 Pesos geklaut, also ungefähr 60 Euro – was hier wirklich unglaublich viel ist. 10 000 haben wir dann bei ihr gefunden, der Rest ist nie wieder aufgetaucht…
Ein paar Tage später haben dann ein paar Kinder die Scheiben von einem anderen, leerstehenden Haus eingeschmissen, sind da eingebrochen und haben das ganze Haus durchwühlt – wir wissen noch nicht, ob sie was geklaut haben.

Und am Ende der ersten Woche ist dann das krasseste passiert: Draußen hats halt übelst geregnet und wir waren alle drinnen basteln. Irgendwann ist uns dann aufgefallen, dass zwei Kinder, ein 7-jähriges Mädchen und ein 9-jähriger Junge von ihrem aufs-Klo-gehen nicht mehr wiedergekommen sind. Eine Tía ist sie dann suchen gegangen und hat sie auch sehr schnell gefunden – sie waren kurz davor, Sex zu haben…

Die Tía war dann auch dementsprechend geschockt, hat dem Jungen eine geknallt und hat ihn ins Bett geschickt…
So weit so gut.
Dieser Junge (9 Jahre alt!) ist dann aber in der Nacht abgehauen – mit Rucksack und seinen ganzen Sachen.
Wir mussten ihn dann also suchen gehen – im strömenden Regen und ohne Auto. Und natürlich hatte man in den Bergen auch keinen Handyempfang… Zum Glück haben wir ihn dann aber gefunden und joa.


Naja, das waren nur einige Auschnitte, aber mehr schreib ich jetzt da nicht mehr zu, weildas jetzt auch alles schon wirkliche lange her ist… Das war echt mein absoluter Tiefpunkt, ich hab die gesamte zweite Woche eigentlich jeden Abend nur noch geheult ;)
Danach hatten wir dann endlich eine Woche frei – was wirklich bitter nötig war um von allem ein bisschen Abstand zu gewinnen.

Aber natürlich war es auch nicht so einfach, diese Woche frei zu bekommen…
Es war nämlich so, dass alle chilenischen Mitarbeiter für die 14 Tage Ferienlager auch 14 Tage Ferien zusätzlich bekommen haben. Nun ja. Alle chilenischen Tías. Bei den zwei Freiwilligen ist das natürlich anders: Die sind ja freiwillig da, das heißt, die sind auch willens mehr Arbeit zu leisten – so weit die Argumentation von unserem Chef.
Das ganze ist mit einer Konversation unserer Koordinatorin vor Ort weitergegangen, was aber alles noch viel schlimmer gemacht hat…
Naja, es würde jetzt zu weit führen alles im Detail zu erzählen, jedenfalls haben wir jetzt unsere zwei Wochen zusätzliche Ferien.

Der Rest des Sommers war im Heim einigermaßen ruhig, schwierig und anstrengend. Außerhalb des Heims… Sommer eben :D Feiern, Sonne, Strand… Gut. Allerdings konnte ich den Sommer oft nicht so genießen wie ich es gerne getan hätte, weil ich jeden Tag gearbeitet hab.

Denn es ist nun mal einfach wirklich so, das das Heim hier zu wenig Arbeitskräfte hat, und deshalb immer mehr die Freiwilligen die Rollen der Tías übernehmen – beziehungsweise mehr arbeiten.


Jetzt war ich die letzten drei Wochen in Urlaub, im Süden bis runter nach Patagonien – der hammer, da folgt dann noch mal ein extra Bericht :)

Aber das Zurückkommen war irgendwie ganz schrecklich… Nicht nur, dass die Ferien zu Ende waren, sondern auch im Heim hat sich einiges getan: Neben verschiedenen Strukturveränderungen, die hier nicht so wichtig sind, haben sich zum Beispiel auch meine Arbeitszeiten verändert: Ich arbeite jetzt entweder von 7-14 Uhr oder von 14-21 Uhr. Dazu zusätzlich jedes zweite Wochenende.
Prinzipiell ist das ja viel besser, als von 12-20 Uhr zu arbeiten – aber das Blöde ist einfach, dass es vormittags hier im Heim kaum etwas zu tun gibt! Die Kinder gehen um acht zur Schule, wo ich sie hinbringe, und dann komm ich zurück ins Heim und verbring den Vormittag mit Lesen, Reden, Tee trinken… Vormittags sind hier ja meist keine Kinder da! Hin und wieder gibt es dann so kleinere Aufgaben, wie ins Krankenhaus zu gehen, aber eigentlich gilt es eher, die Zeit bis zum Mittagessen totzuschlagen und danach nach Hause zu gehen ;)

Aber immerhin hab ich so endlich mal Zeit, Blogeinträge zu schreiben! :D
Die Schichten wechseln immer wöchentlich, d.h. diese Woche arbeite ich immer vormittags. Die nächste Woche geht’s dann erst mal aufs Zwischenseminar nach Olmué, ich bin schon gespannt, wie das wird, habe allerdings ehrlich gesagt nicht allzuviele Erwartungen… Mal schauen.

Danach melde ich mich dann wieder (die über-über-nächste Woche, wenn ich wieder vormittags arbeite :D) mit einem Reisebericht der letzten Wochen.


Ganz viele Grüße und bis bald!

Eure Julia




Dienstag, 3. Januar 2012

¡Feliz año nuevo! - Frohes neues Jahr!

Hallo meine Lieben!
Ich wuensche euch allen da draussen alles, alles Gute im neuen Jahr!
Ich hoffe ihr habt Silvester alle genauso schoen verbracht wie ich - wenn auch wahrscheinlich um einiges kaelter :D

Bei mir war alles einfach perfekt, also um einiges besser als die Feiertage um Weihnachten herum!
Zwar wurde auch fuer Silvester wieder ein Tier geschlachtet, allerdings musste ich dieses Mal wenigstens nicht dabei zusehen. Und auch zum Essen gab es jetzt nicht nur Fleisch mit Krautsalat, sondern eine reiche Auswahl an unglaublich vielen und unglaublich leckeren Beilagen.
So haben wir uns also fuer das Essen viel Zeit gelassen - um genau zu sein so viel, dass wir fast Mitternacht verpasst haetten. Aber nach einigen hektischen Minuten standen dann doch alle mit geoeffneten Sektflaschen draussen auf der Strasse und haben auf das neue Jahr runtergezaehlt. Und puenktlich zu Mitternacht fing dann am Himmel ueber Santa Bárbara das Feuerwerk an - uebrigens das erste in der Dorfgeschichte! Und fuer meine Gastmutter zum Beispiel war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ein Feuerwerk live gesehen hat... So war es irgendwie etwas viel besondereres als in Deutschland, wo ja so viel geballert wird, dass man gar nicht weiss, wo man zuerst hinschauen soll...

Nach dem (wirklich langen!) Feuerwerk haben wir uns noch gemuetlich zusammengesetzt, viel geredet, viel gelacht und vor allem viel getrunken ;)
Ich bin danach dann noch auf eine Silvesterparty unter freiem Himmel auf halbem Weg nach Los Angeles gegangen um mich dort mit Saskia und allen moeglichen chilenischen Freunden zu treffen - und es war der absolute Hammer!!
Das einzig bittere war, dass ich am naechsten Morgen um 8 Uhr arbeiten musste... Also bin ich eben direkt vom Feiern ins Heim gefahren ;)
Nachmittags waren wir dann wieder mit der ganzen Familie in den Bergen am Fluss, war wirklich nett, aber ich hab eigentlich die meiste Zeit geschlafen :D


Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, jetzt fahren wir erstmal fuer die naechsten zwei Wochen mit ein paar Betreuern und den ganzen Kindern (zur Zeit sage und schreibe 12) in die Berge. Meine Motivation haelt sich allerdings in Grenzen, da das die allerschwierigsten Kinder sind, deren Familiensituation so problematisch ist, dass sie nicht wie alle anderen Kinder nach Hause fahren konnten...
Und auch die Anlage, normalerweise eine Schule, ist total heruntergekommen... Aber es gibt einen Fluss, wo wir die ganze Zeit baden werden und die Kinder freuen sich alle schon total auf die naechsten beiden Wochen, deshalb mal schauen wie es wird :)


Euch auf jeden Fall alles Gute,
bis in zwei Wochen,

Eure Julia

Montag, 26. Dezember 2011

Lebenszeichen


Hallo meine Lieben!

So, nun melde ich mich auch endlich wieder einmal. Es tut mir wirklich wahnsinnig leid, dass ich so lange nichts mehr geschrieben hab – ich kann es selbst gar nicht fassen, dass jetzt Weihnachten schon wieder vorbei ist und Silvester schon fast vor der Tür steht!

Meine Eltern haben mir erzählt, dass schon alle nach mir fragen und sich Sorgen machen – müsst ihr nicht! Es ist einfach so, dass ich hier in letzter Zeit so viel erlebt und gemacht habe, dass ich kaum an Deutschland gedacht habe und schon gar nicht die Zeit gefunden habe, einen Blogeintrag zu schreiben.
Aber jetzt an Weihnachten musste ich natürlich sehr an daheim denken und habe meine Familie natürlich schon sehr vermisst – gerade weil Weihnachten dieses Jahr so komplett anders war.

Sowieso hatte ich hier den gesamten letzten Monat nicht das kleinste bisschen Weihnachtsgefühl – was einerseits daran lag, dass ich immer so viel unterwegs war, dass ich eigentlich nie Zeit dazu hatte, nachzudenken, aber andererseits auch einfach an den Temperaturen hier lag: Wie kann denn Weihnachten sein, wenn es draußen 38°C warm ist? Da hat es auch nicht geholfen, dass hier alle Geschäfte und Häuser weihnachtlich dekoriert sind (Schnee, Schlitten und Weihnachtsmützen eingeschlossen!).  Und dann die Weihnachtsmusik: „Let it snow“ und „Last Christmas“ im Sommer fühlen sich doch sehr unreal an…

Auch der 24. hat sich einfach total seltsam angefühlt. Hier im Haus haben alle schon vormittags angefangen, das Essen für abends vorzubereiten. Und während bei meiner Familie in Deutschland die Bescherung angefangen hat – haben wir hier im Hof ein Schaf geschlachtet.
Das war dann tatsächlich der Gipfel des unrealen Gefühls: Schon am Morgen bin ich nämlich von dem unglaublich nervigen Gemähe eines Schafs aufgewacht, das bei uns im Hof angebunden war. Und dann, nach dem Mittagessen, wurde dieses Schaf eben geschlachtet: Zuerst wurden im drei Beine zusammengebunden, dann wurde es an einem Hinterhuf mit einem Seil nach oben gezogen. Mein Gastvater, Rafael, hat dann unser Küchenmesser geschärft und es dem Schaf dann schließlich in den Hals „gerammt“.
Als dann das Blut rausgelaufen ist, kam meine Gastmutter mit einer Schale, wo schon Zwiebeln und Koriander vorbereitet waren.
Diese Schale wird dann unter den Hals des Schafs gehalten bis sie mit Blut voll ist. Nach ein bisschen Warten ist das Blut geronnen und zu einem dunkelroten Glibberbrei geworden – fertig ist das „Ñache“, eine chilenische „Spezialität“, das zusammen mit Zitronensaft, Brot und Rotwein verspeist wird… 
Ich hab das ganze auch probiert, und ehrlich gesagt war es weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt hatte. Es hat eigentlich gar nicht nach Blut geschmeckt, sondern ziemlich stark nach Schaf – das ekelhafte ist aber einfach die Beschaffenheit, die sehr an Wackelpudding erinnert…
Außerdem war das schreckliche, dass das Schaf während der ganzen Prozedur noch gelebt hat!!! Rafael hatte nämlich die Halsschlagader nicht richtig getroffen, sodass das Schaf sehr langsam verendet ist…
Anschließend wurde es dann schließlich gehäutet und ausgenommen. Das war dann ehrlich gesagt ziemlich interessant, die ganzen Innereien und Organe mal zu sehen…

Danach waren wir dann arbeiten, was ein ziemlicher Witz war, weil im Heim nur vier Kinder waren, der Rest war nämlich bei seinen Familien daheim.

Abends, als wir nach Hause kamen, haben wir dann schließlich das Schaf gegrillt und gegessen. Das war im Prinzip total lecker, aber insgesamt fehlt mir bei dem chilenischen Essen einfach die Raffinesse: Es gab neben dem purem Fleisch (das übrigens mit dem Händen gegessen wird) – wie bei jedem Mittag- und Abendessen – nur Tomaten- und Rotkrautsalat und natürlich Brot. Die Salate sind alle nur mit Salz und Zitronensaft zubereitet, und das Brot ist auch immer das gleiche…

Um Mitternacht fand schließlich die Bescherung statt, was aber auch ganz anders als in Deutschland war, weil kaum etwas verschenkt wurde, nur die Kinder von unserer „Schwester“, (7 und 10 Monate alt), haben reichlich Spielzeug bekommen.
Dann saßen wir noch bis in die Morgenstunden zusammen, haben geredet, getrunken und viel gelacht :)


Am nächsten Morgen sind wir dann schon um 8 (geplant war eigentlich 7 Uhr) in die Berge gefahren, zu einem wunderschönen Fluss, wo ganz viele Familien den 25. verbringen. Dort haben wir dann ersteinmal gefrühstückt, und ich für meinen Teil hab mich dann danach in die Sonne gelegt und ersteinmal bis zum Mittagessen geschlafen.

Deshalb habe ich auch nur am Rande mitgekriegt, wie das nächste Tier geschlachtet wurde: Eine Ziege, die die Familie mit dem Schaf zusammen gekauft hatte. Dieses arme Tier tat mir noch viel mehr leid als das Schaf vom Vortag, um es zu transportieren wurde es nämlich gefesselt und mit dem ganzen restlichen Essen und Trinken im Kofferraum verstaut…
Ich hab es nicht gehört, aber Maria hat mir erzählt, dass die Ziege ganz schrecklich geschriehen hat, ich meine, sie war da immerhin fast zwei Stunden drin, und das bei Hitze und Schotterpisten…
Sowieso ist das Verhältnis der Chilenen zu Tieren doch sehr, sehr anders als bei uns, und das schockt mich schon immermal wieder.

Sowieso hab ich mich an diesem Tag irgendwie total komisch gefühlt. Das einzige, was wir eigentlich den ganzen Tag gemacht haben, war nämlich gegessen (und getrunken). Zuerst natürlich gefrühstückt, wie immer Brot, Tomate und Avocado.
Dann, während ich geschlafen habe, wurde wieder „Ñache“ gegessen, diesmal eben von der Ziege… Wie gesagt, bei dem ganzen Schlachtungsprozess hab ich mich ziemlich ausgeklingt, denn irgendwie war alles noch viel seltsamer als bei uns auf dem Hof – ich meine, wir waren da mitten an einem öffentlichen Platz, um uns herum lauter andere Familien, von denen jeder seine eigene Ziege oder sein eigenes Schaf hatte – die der anderen waren aber wenigstens von Anfang an tot…

Dann, zum Mittagessen gab es erstmal die Reste vom Schaf vom Vortag – natürlich auch nur wieder mit Tomaten- und Krautsalat und Brot.
Den Nachmittag über haben eigentlich alle nur auf der Wiese gelegen und geschlafen, und dann gab es auch schon wieder Abendessen – Überraschung: Gegrilltes. Diesmal die Ziege, und nur mit Tomatensalat…
Danach sind wir dann auch schon wieder heimgefahren.
Einerseits war der Tag wirklich schön, es war tolles Wetter, wir haben im Fluss gebadet… Aber andererseits hab ich mich auch selten so anders gefühlt, als die Chilenen. Vor allem fand ich es total schade, dass an dem Tag alle irgendwie separiert waren, immer haben ein paar Leute geschlafen, ein paar waren am Fluss, ein paar haben gegessen… Irgendwie hat das Zusammengehörigkeitsgefühl gefehlt, das ich bei uns daheim bei der Familie so mag.
Maria ist es ziemlich genauso gegangen, wir haben uns danach noch total lange unterhalten, und ich bin doch sehr froh, dass ich jemandem hab, mit dem ich mich da so austauschen kann… Denn ich glaube, bei uns in Santa Bárbara ist es doch nochmal ganz anders, als beispielsweise in Los Angeles. Wir leben nämlich hier schon sehr auf dem Land, wo eben die Leute viel, viel ärmer sind als in den Städten… Und eben irgendwo noch viel „naturverbundener“ ;)

Gestern abend, als wir nach Hause gekommen sind, hatte ich dann auch dementsprechend schon ein bisschen Heimweh, weil dieser Tag so komplett anders war als bei uns zuhause…


Das hört sich jetzt so aufgeschrieben alles irgendwie sehr negativ an. Das nervt mich ein bisschen, weil ich hier eigentlich im Allgemeinen total glücklich bin und mich wirklich wohlfühle – nur manchmal wird einem eben bewusst, dass hier doch einiges anders ist als zuhause. Und während wir die ersten drei Monate eigentlich immer nur so in den Tag gelebt haben und uns ein wenig treiben gelassen haben, fängt man jetzt immer mehr an, über alles nachzudenken, und irgendwie zu vergleichen – das ist es wohl, was bei dem Vorbereitungsseminar immer „Kulturschock“ gehießen hat.


Jetzt muss ich blöderweise los, arbeiten gehen, und beende den Blogeintrag also hiermit.
Ich hoffe, das ich das ganze Thema demnächst mal weiter ausführen kann… Und ich werde versuchen, wieder ein bisschen regelmäßiger zu schreiben ;)



Ich hoffe, euch geht es allen gut, und macht euch keine Sorgen, auch wenn dieser Eintrag ein bisschen negativ geworden ist, bin ich im allgemeinen hier sehr, sehr glücklich – nur jetzt um Weihnachten herum eben ein bisschen nachdenklich und ein bisschen wehmütig :)

Alles, alles Liebe aus dem sonnigen Chile ins regnerische Deutschland,

Eure Julia


Das Schaf


Zubereitung des Ñache 


 Ñache 







Mittwoch, 9. November 2011

verschiedenes :)

Hallo meine Lieben!
Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb poste ich heute einfach mal wild durcheinander Bilder aus den letzten Wochen und verzichte auf einen ausführlicheren Bericht :)

in Chillan (schon einige Wochen her :))

eine altertümliche Mapuche-Vase - ist die nicht süß? :D

Die im Reiseführer als "90 Meter hohes Kunstwerk" beschriebene Mauer :D 

Cappuchino in Chillan

übrigens im Café "Fuente Aleman", gegründet von einer Deutschen :D

Assado an Yorfas Geburstag

(so viel Fleisch! :D)

unsere Geburstags-Donauwelle :)

Saskia und ich genießen die ersten Sonnenstrahlen :D


Ausflug an eine Lagune in der Nähe von Santa Bárbara

Ist die Brücke nicht vertrauenserweckend? :D


so schön friedlich :)









Frühling in Santa Bárbara

eine Araukarie

der Bus in die Berge


(ich würd mein Gepäck da ja nicht drauf tun :D)

Alicia (am Geburstag vom Heim)



ja, ich war ein bisschen müde :D




Yogawochenende in den Bergen :D

Digueñe (ein Pilz den es nur hier und nur an diesem Baum gibt, eine Mapuche-Spezialität - als Salat unglaublich lecker!)








Achso, übrigens hab ich jetzt mein Rückflugdatum: Ich komme am 18.September 2012 um 11:35 Uhr in Frankfurt an... Das fühlt sich aber zur Zeit noch ein wenig unreal an ;)