Hallo meine Lieben!
Ich sitze gerade im Büro bei uns im Heim - und langweile mich. Heute habe ich wieder die Frühschicht, das heißt, ich bin schon seit 6:30 Uhr hier. Zuerst habe ich mit den Kindern auf ihre Schulbusse gewartet - was eine Stunde Stehen in der eisigen Morgenkälte vor unsererm Heim bedeutet. Danach habe ich gemütlich gefrühstückt und danach mit meiner Gastmutter noch ungefähr eine Stunde literweise Mate getrunken, und nun beschäftige ich mich mehr oder weniger halbherzig mit Nacho, einem Dreijährigen, der heute krank ist und nicht zur Schule kann.
Die letzen Wochen sind sehr ruhig - aber trotzdem unheimlich schnell! - vorbeigegangen.
Ich bin zur Zeit etwas krank, deshalb bin ich kaum weggegangen, bis auf zwei Ausflüge: Und zwar haben wir bei unserer Arbeit hier im Heim einen katholischen Priester kennen gelernt, Padre Oscar, der in Ralco arbeitet. Ralco ist ein kleines Dorf noch weiter oben in den Bergen, so ziemlich das letzte "zivilisierte" Dorf vor der Cordillera. Danach kommen nur noch kleine Indígena-Siedlungen.
Jedenfalls haben wir, das heißt Maria und ich, letzte Woche den Padre bei einem Ausflug in ebendiese Siedlungen begleitet - ein einmaliges Erlebnis. Zwar waren wir mit den Funktionären des Heims ja schon öfter dort oben, diesmal war der Kontakt mit den Familien jedoch viel direkter, da der Padre von Haus zu Haus reist, fast alle Personen persönlich kennt und sehr angesehen ist.
So haben wir unglaublich viel von der Kultur der Pehuenche (so heißt die Gruppe der Mapuche-Indígenas, die hier in den Bergen lebt) miterlebt - und ein bisschen mehr von der Sprache Mapudungun bzw. Chedungun gelernt.
Das tolle war, dass wir mit dem Padre auch verschiedene Schulen oben in den Bergen besucht haben - und das war wirklich beeindruckend. Dort gibt es nämlich Kinder, die eingeschult werden, ohne ein Wort Spanisch zu sprechen. Sie müssen dann alles in der Schule lernen - demzufolge sprechen auch die meisten Lehrer, ob Indígena oder nicht, zumindest ein bisschen Chedungun.
Oder zum Beispiel waren wir auch in der Hütte von Norfa, einer "Machi", also einer Heilerin. Vor der Hütte hängen auf Gestellen schon unzählige getrockneten Kräuter, ebenso innen. Norfa ist die letzte in ihrer Familie, die diesen Beruf erlernen wird, obwohl er seit Generationen weitergegeben wurde. Aber die jungen Leute hätten keine Lust mehr, sich mit den alten Lehren zu beschäftigen, sagt sie. Sie seien faul geworden, verwöhnt von der modernen Medizin, die gegen alles eine Tablette hätte.
Dann hat sie uns noch von einigen "Patienten" erzählt: Zum Beispiel ein junges Ehepaar, das umbedingt Kinder, am besten einen Jungen, bekommen möchte. Doch obwohl sie schon lange verheiratet sind, hat es bisher noch nicht geklappt.
Also begann Norfa Kräuterextrakte zu mischen, und den beiden (sowohl Mann als auch Frau) zu verabreichen. Zusätzlich betete sie oft und lange für die beiden, machte verschiedene Zeremonien etc. Und nun, vor einigen Tagen, kam die Frau zu ihr und erzählte, dass die geträumt hätte, ein Mädchen zu kriegen. Norfa erklärte daraufhin, dass es ein Junge werden würde - immer wenn man träumt, einen Jungen zu kriegen, bekommt man ein Mädchen und andersherum.
Der Besuch war so der krasseste, denn das sind so Geschichten, von denen man normalerweise in irgendwelchen Romanen liest, aber die man ja nicht in Realität erlebt...
Der zweite Ausflug war auch klasse, allerdings wurde uns in jedem Haus, in dem wir waren Essen gereicht, und zwar immer neben der obligatorischen Tortilla, einer Art Brot, das in heißer Asche gebacken wird, auch noch Asado, also gegrilltes Schwein oder gegrillte Ziege - und es ist sehr unhöflich, abzulehnen, also haben wir den ganzen Tag gegessen :D
Also ich hoffe, euch geht es auch allen gut, ich freue mich immer über jegliche Nachricht aus Deutschland (!!!Schreibt mir!!! :D),
eure Julia
Ab September 2011 verbringe ich ein Jahr in Santa Bárbara, einer kleinen Stadt im Süden Chiles. Dort werde ich im "Hogar Indígena Padre Remigio Gúbaro", einem Heim für Kinder indigener Abstammung, arbeiten. Alle, die es interessiert, können meine Erfahrungen und Erlebnisse hier mitverfolgen. Viel Spaß! :)
Donnerstag, 26. April 2012
Dienstag, 10. April 2012
Rauch in den Straßen
Hallo ihr alle!
So, nun bin ich tatsächlich schon mehr als sechs Monate hier. Manchmal kann ich es gar nicht fassen, wie schnell die Zeit vergeht!
Vor einigen Wochen hatten wir (wir, das heisst alle 16 Freiwillige aus Argentinien, Uruguay und Chile) unser einwöchiges Zwischenseminar in Olmué, einem Dorf in der Nähe von Santiago.
Das Zwischenseminar war ganz anders als unser (geniales! ;)) Vorbereitungsseminar. Zwar war es total schön, die ganzen anderen Freiwilligen wiederzusehen, bzw. kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen und wir hatten auch wirklich viel Spaß, das Seminarprogramm an sich war aber ziemlich unergiebig (/langweilig ;)) und hat nicht viel Neues gebracht.
Die Umgebung allerdings war wirklich schön: Olmué liegt in Zentralchile, zwischen vielen Weinbergen, und wir waren in einer Art "Ferienanlage" mit verschiedenen kleinen Häuschen und mit verschiedenen Pools. Es gab zweimal am Tag ein 3-4 Gänge-Menu zu essen - und zwar richtig, richtig lecker - und zudem hatten wir auch noch total viel Glück mit dem Wetter, es schien fast jeden Tag die Sonne und war total warm... Eine doch sehr angenehme Abwechslung nach drei Wochen patagonischer Kälte!
Nun ist das Seminar aber auch schon wieder vorbei, und der Arbeitsalltag hat sich eingestellt.
Die Arbeit macht mir wieder deutlich mehr Spaß, als im Sommer, die ganzen Kinder sind endlich wieder da - und ich liebe sie so!
Hier hat außerdem nach einem letzten Aufblühen des Sommers nun vollens der Herbst eingesetzt. Der Wechsel hat mich doch einigermaßen geschockt, denn die erste Zeit nach dem Seminar war es noch einmal richtig schön warm, so dass ich meine Sommerkleider noch fast zwei Wochen benutzen konnte - untypisch für diese Jahreszeit, wie mir alle über die Hitze jammernden Chilenen versicherten!
Jetzt ist es tagsüber hingegen schon richtig herbstlich: Überall liegen Kastanien, die Blätter fallen langsam, - aber immerhin scheint auch die Herbstsonne und bisher windet und regnet es noch nicht. Aber nachts und morgens ist es nun richtig kalt, ich stocke die Deckenansammlung in meinem Bett wöchentlich auf und es fällt mir immer schwerer, morgens aufzustehen... Der gemütlichste Ort bei uns im Haus ist demnach die Sitzecke um den Ofen herum, und hier im Heim als einziger beheizter Raum die Küche.
An beiden Orten sitze ich also entweder frühmorgens oder spätabends mit Yorfa, meiner Gastmutter zusammen, wir trinken Tee oder (viel besser) Mate, reden über Gott und die Welt, lästern, lachen... Ich liebe sie einfach! Sie ist wirklich meine Mama hier, sehr resolut und bestimmt ("Bevor du weggehst, räumst du aber schon noch dein Zimmer auf, oder?"), aber immer auch total besorgt und liebevoll - und unglaublich lustig :D
Jetzt, am Wochenende, war ja Ostern. Abgesehen davon, dass Montag hier schon wieder Arbeitstag ist, war auch ansonsten alles sehr anders... Schonmal angefangen damit, dass wir vier Tage ununterbrochen (d.h. zu jeder Mahlzeit, einschließlich des Frühstücks!) Fisch oder (bzw. UND) Meeresfrüchte gegessen haben. Außerdem war ich auch viel feiern, weil alle Studenten natürlich über die Feiertage nach Hause gekommen sind.
Zusätzlich haben wir am Sonntag noch einen Ausflug mit der Familie gemacht, natürlich mit Picknick.
Ansonsten fällt mir gerade nicht arg viel mehr zum erzählen ein...
Ich denke viel an euch alle, und vor allem wenn ich frühmorgens (d.h. um halb 6!) in feuchter Kälte durch die nebligen Straßen zum Heim laufe und den Rauchgeruch der Kamine einatme, wünsche ich mir oft, nun den deutschen Frühling mitzuerleben...
Was nicht heißen soll, dass ich hier nicht superglücklich und zufrieden wäre - nur auf den Winter könnte ich verzichten ;)
Ganz, ganz liebe Grüße an alle,
vielleicht bis bald,
Eure Julia
So, nun bin ich tatsächlich schon mehr als sechs Monate hier. Manchmal kann ich es gar nicht fassen, wie schnell die Zeit vergeht!
Vor einigen Wochen hatten wir (wir, das heisst alle 16 Freiwillige aus Argentinien, Uruguay und Chile) unser einwöchiges Zwischenseminar in Olmué, einem Dorf in der Nähe von Santiago.
Das Zwischenseminar war ganz anders als unser (geniales! ;)) Vorbereitungsseminar. Zwar war es total schön, die ganzen anderen Freiwilligen wiederzusehen, bzw. kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen und wir hatten auch wirklich viel Spaß, das Seminarprogramm an sich war aber ziemlich unergiebig (/langweilig ;)) und hat nicht viel Neues gebracht.
Die Umgebung allerdings war wirklich schön: Olmué liegt in Zentralchile, zwischen vielen Weinbergen, und wir waren in einer Art "Ferienanlage" mit verschiedenen kleinen Häuschen und mit verschiedenen Pools. Es gab zweimal am Tag ein 3-4 Gänge-Menu zu essen - und zwar richtig, richtig lecker - und zudem hatten wir auch noch total viel Glück mit dem Wetter, es schien fast jeden Tag die Sonne und war total warm... Eine doch sehr angenehme Abwechslung nach drei Wochen patagonischer Kälte!
Nun ist das Seminar aber auch schon wieder vorbei, und der Arbeitsalltag hat sich eingestellt.
Die Arbeit macht mir wieder deutlich mehr Spaß, als im Sommer, die ganzen Kinder sind endlich wieder da - und ich liebe sie so!
Hier hat außerdem nach einem letzten Aufblühen des Sommers nun vollens der Herbst eingesetzt. Der Wechsel hat mich doch einigermaßen geschockt, denn die erste Zeit nach dem Seminar war es noch einmal richtig schön warm, so dass ich meine Sommerkleider noch fast zwei Wochen benutzen konnte - untypisch für diese Jahreszeit, wie mir alle über die Hitze jammernden Chilenen versicherten!
Jetzt ist es tagsüber hingegen schon richtig herbstlich: Überall liegen Kastanien, die Blätter fallen langsam, - aber immerhin scheint auch die Herbstsonne und bisher windet und regnet es noch nicht. Aber nachts und morgens ist es nun richtig kalt, ich stocke die Deckenansammlung in meinem Bett wöchentlich auf und es fällt mir immer schwerer, morgens aufzustehen... Der gemütlichste Ort bei uns im Haus ist demnach die Sitzecke um den Ofen herum, und hier im Heim als einziger beheizter Raum die Küche.
An beiden Orten sitze ich also entweder frühmorgens oder spätabends mit Yorfa, meiner Gastmutter zusammen, wir trinken Tee oder (viel besser) Mate, reden über Gott und die Welt, lästern, lachen... Ich liebe sie einfach! Sie ist wirklich meine Mama hier, sehr resolut und bestimmt ("Bevor du weggehst, räumst du aber schon noch dein Zimmer auf, oder?"), aber immer auch total besorgt und liebevoll - und unglaublich lustig :D
Jetzt, am Wochenende, war ja Ostern. Abgesehen davon, dass Montag hier schon wieder Arbeitstag ist, war auch ansonsten alles sehr anders... Schonmal angefangen damit, dass wir vier Tage ununterbrochen (d.h. zu jeder Mahlzeit, einschließlich des Frühstücks!) Fisch oder (bzw. UND) Meeresfrüchte gegessen haben. Außerdem war ich auch viel feiern, weil alle Studenten natürlich über die Feiertage nach Hause gekommen sind.
Zusätzlich haben wir am Sonntag noch einen Ausflug mit der Familie gemacht, natürlich mit Picknick.
Ansonsten fällt mir gerade nicht arg viel mehr zum erzählen ein...
Ich denke viel an euch alle, und vor allem wenn ich frühmorgens (d.h. um halb 6!) in feuchter Kälte durch die nebligen Straßen zum Heim laufe und den Rauchgeruch der Kamine einatme, wünsche ich mir oft, nun den deutschen Frühling mitzuerleben...
Was nicht heißen soll, dass ich hier nicht superglücklich und zufrieden wäre - nur auf den Winter könnte ich verzichten ;)
Ganz, ganz liebe Grüße an alle,
vielleicht bis bald,
Eure Julia
Donnerstag, 8. März 2012
Lebenszeichen
Hola!
So, nun lass ich auch mal wieder etwas von mir hören.
Langlang ist’s her, dass ich hier was geschrieben hab, aber das ist alles nicht
ganz unbegründet.
Die letzten drei Monaten waren ein ständiges auf und ab. Der letzte Blogeintrag ist, wie ich gerade sehe, vom 3. Januar (ups!), also noch ganz am Anfang der großen Sommerpause, die jetzt letzte Woche geendet hat.
Wie ich da ja schon geschrieben habe, sind die meisten
unserer Heimkinder Ende Dezember über die Sommerferien zu ihren Familien nach
Hause gefahren. So blieb hier im Heim nur eine kleine Gruppe mit wechselnder
Besetzung, meist hatten wir so fünf bis fünfzehn Kinder.
Mit diesen sind wir dann direkt Anfang Januar in eine Art
Ferienlager in die Berge gefahren. Als ich Ende November zum ersten Mal von
diesem Ferienlager gehört hatte, war es mir wie eine super Idee vorgekommen:
Zwei Wochen Ferien mit den Kindern, tolle Landschaft, Sonne, Baden im Fluss…
Hahaha. Diese Vorstellungen wurden mir schon im Voraus von den Erzählungen der
meisten Tías genommen, die alle überhaupt keine Lust auf dieses Ferienlager
hatten und unglaublich viel Negatives erzählt haben.
Auch schon in den ersten Wochen hier im Heim ist mir
aufgegangen, dass das alles schwieriger werden könnte als gedacht: Die Kinder,
die hier geblieben sind, sind nämlich wirklich die allerproblematischsten.
Da haben wir zum Beispiel die siebenjährige Claudina, ein
Mädchen, dass wohl schon mit einem Alkoholsyndrom auf die Welt gekommen ist
(nicht diagnostiziert, aber man sieht es ihr an), und zudem ihr ganzes Leben
sexuell missbraucht worden ist.
Oder Bastian, ein dreizehnjähriger Junge, der wohl ähnliche
Erfahrungen gemacht hat, jedenfalls jetzt eine absolut gestörte Sexualität hat,
sehr viele seltsame Aktionen bringt (die ich hier jetzt lieber nicht genau
ausführen will) und der immer wieder versucht, den kleineren Jungen
nachzustellen… Wäre er erwachsen, würde man auf jeden Fall sagen, dass er
pädophil ist, bei einem dreizehnjährigen Jungen finde ich dieses Wort aber
etwas schwierig…
Und, wer noch? Perfekt in der Kombination mit Bastian eine
Zweijährige (auch mit Alkoholsystem), ein Dreijähriger (Nacho, eins meiner
Lieblingskinder), und Giovanni, ein Vierjähriger…
An dieser Stelle könnte ich jetzt noch mehr Geschichten von
den restlichen zehn Kindern erzählen, von dem siebenjährigen Ruben, der mir
erzählt, wie er immer mit seinen Eltern zusammen Wein trinkt; von der
vierzehnjährigen Angela, die schon ihr ganzes Leben von Heim zu Heim gereicht
wird und sich bereits mit zwölf Jahren für einen Sechzigjährigen prostituiert
hat um Geld zu verdienen (wohlbemerkt hier in Santa Bárbara, zu einer Zeit wo
sie schon in Heim gewohnt hat…)…
Aber all diese schrecklichen Geschichten gehören schon zum
Alltag – ich fühle mich manchmal ganz abgestumpft, das meiste erstaunt einen
schon gar nicht mehr…
Das, was ich persönlich jedoch ganz, ganz schrecklich finde, sind die Fälle, die sich direkt hier im Hogar abspielen, worüber aber einfach nicht gesprochen wird. Zum Beispiel gab es vor ungefähr einem Jahr einen Zwischenfall, wo einer der Jungs einen anderen „sexuell missbraucht hat“ – in welchem Umfang weiß ich nicht.
Das Problem hier ist einfach, dass dieses Thema komplett
totgeschwiegen wird. Nach diesem Zwischenfall hat unser Chef eine Zusammenkunft
mit allen Mitarbeitern einberufen und gesagt, wer über dieses Thema jemals
außerhalb des Hogars sprechen wird, kann gleich gehen…
Insgesamt, unser Chef. Das ist ein ganz eigenes Thema für
sich, dass sich in den letzten zwei Monaten immer weiter zugespitzt hat.
Zum Beispiel hatten Maria und ich eigentlich mal die Idee,
hier eine Aufklärung zum Thema Sexualität zu starten (was ist Sexualität
überhaupt, wie verhüte ich, wie verhalte ich mich bei sexuellen Übergriffen,
gerade bei Lehrern, Tíos oder ähnlichem…)
Bei der Mitarbeiter-Reunion hat unser Chef diese Idee zuerst
als sehr gut befunden (ich meine, wir haben hier eine siebzehnjährige, die
gerade Anfang März ihr Kind entbunden hat und einen anderen Siebzehnjährigen,
der bald Vater wird!), nur um uns dann aber ein paar Wochen später wörtlich zu
sagen „Nein, so ein Kurs wird hier niemals stattfinden, die katholische Kirche
verbietet Verhütung, wir sind ein Heim mit den katholischen Werten und so
werden wir über dieses Thema nicht sprechen.“
Ich mein, was kann man da noch zu sagen? Verhütung ist eine
Sache, aber dieses ganze sexuelle-Missbrauch-Thema ist ja noch mal was ganz
anderes, schließlich sind die Kinder hier im Heim um beschützt zu werden!
Aber naja, nun bin ich ein bisschen abgeschweift. Anfang Januar waren wir eben auf diesem Campamento – und es waren die bisher schlimmsten zwei Wochen im Heim.
Die Kinder haben sich einfach so schlimm benommen, dass man
sie keinen Moment aus den Augen lassen konnte – das heißt, wir waren 24-Stunden
am Tag in Bereitschaft!
Und trotzdem haben es diese Kinder geschafft, nur Scheiße zu
bauen: Direkt am ersten Tag ist ein Mädchen ins Haus einer Nachbarin
eingebrochen und hat 40.000 Pesos geklaut, also ungefähr 60 Euro – was hier
wirklich unglaublich viel ist. 10 000 haben wir dann bei ihr gefunden, der Rest
ist nie wieder aufgetaucht…
Ein paar Tage später haben dann ein paar Kinder die Scheiben
von einem anderen, leerstehenden Haus eingeschmissen, sind da eingebrochen und
haben das ganze Haus durchwühlt – wir wissen noch nicht, ob sie was geklaut
haben.
Und am Ende der ersten Woche ist dann das krasseste
passiert: Draußen hats halt übelst geregnet und wir waren alle drinnen basteln.
Irgendwann ist uns dann aufgefallen, dass zwei Kinder, ein 7-jähriges Mädchen
und ein 9-jähriger Junge von ihrem aufs-Klo-gehen nicht mehr wiedergekommen
sind. Eine Tía ist sie dann suchen gegangen und hat sie auch sehr schnell
gefunden – sie waren kurz davor, Sex zu haben…
Die Tía war dann auch dementsprechend geschockt, hat dem
Jungen eine geknallt und hat ihn ins Bett geschickt…
So weit so gut.
Dieser Junge (9 Jahre alt!) ist dann aber in der Nacht
abgehauen – mit Rucksack und seinen ganzen Sachen.
Wir mussten ihn dann also suchen gehen – im strömenden Regen
und ohne Auto. Und natürlich hatte man in den Bergen auch keinen Handyempfang…
Zum Glück haben wir ihn dann aber gefunden und joa.
Naja, das waren nur einige Auschnitte, aber mehr schreib ich
jetzt da nicht mehr zu, weildas jetzt auch alles schon wirkliche lange her ist…
Das war echt mein absoluter Tiefpunkt, ich hab die gesamte zweite Woche
eigentlich jeden Abend nur noch geheult ;)
Danach hatten wir dann endlich eine Woche frei – was
wirklich bitter nötig war um von allem ein bisschen Abstand zu gewinnen.
Aber natürlich war es auch nicht so einfach, diese Woche
frei zu bekommen…
Es war nämlich so, dass alle chilenischen Mitarbeiter für
die 14 Tage Ferienlager auch 14 Tage Ferien zusätzlich bekommen haben. Nun ja.
Alle chilenischen Tías. Bei den zwei Freiwilligen ist das natürlich anders: Die
sind ja freiwillig da, das heißt, die sind auch willens mehr Arbeit zu leisten
– so weit die Argumentation von unserem Chef.
Das ganze ist mit einer Konversation unserer Koordinatorin
vor Ort weitergegangen, was aber alles noch viel schlimmer gemacht hat…
Naja, es würde jetzt zu weit führen alles im Detail zu
erzählen, jedenfalls haben wir jetzt unsere zwei Wochen zusätzliche Ferien.
Der Rest des Sommers war im Heim einigermaßen ruhig,
schwierig und anstrengend. Außerhalb des Heims… Sommer eben :D Feiern, Sonne, Strand…
Gut. Allerdings konnte ich den Sommer oft nicht so genießen wie ich es gerne
getan hätte, weil ich jeden Tag gearbeitet hab.
Denn es ist nun mal einfach wirklich so, das das Heim hier
zu wenig Arbeitskräfte hat, und deshalb immer mehr die Freiwilligen die Rollen
der Tías übernehmen – beziehungsweise mehr arbeiten.
Jetzt war ich die letzten drei Wochen in Urlaub, im Süden
bis runter nach Patagonien – der hammer, da folgt dann noch mal ein extra
Bericht :)
Aber das Zurückkommen war irgendwie ganz schrecklich… Nicht
nur, dass die Ferien zu Ende waren, sondern auch im Heim hat sich einiges
getan: Neben verschiedenen Strukturveränderungen, die hier nicht so wichtig
sind, haben sich zum Beispiel auch meine Arbeitszeiten verändert: Ich arbeite
jetzt entweder von 7-14 Uhr oder von 14-21 Uhr. Dazu zusätzlich jedes zweite
Wochenende.
Prinzipiell ist das ja viel besser, als von 12-20 Uhr zu
arbeiten – aber das Blöde ist einfach, dass es vormittags hier im Heim kaum
etwas zu tun gibt! Die Kinder gehen um acht zur Schule, wo ich sie hinbringe,
und dann komm ich zurück ins Heim und verbring den Vormittag mit Lesen, Reden,
Tee trinken… Vormittags sind hier ja meist keine Kinder da! Hin und wieder gibt
es dann so kleinere Aufgaben, wie ins Krankenhaus zu gehen, aber eigentlich
gilt es eher, die Zeit bis zum Mittagessen totzuschlagen und danach nach Hause
zu gehen ;)
Aber immerhin hab ich so endlich mal Zeit, Blogeinträge zu
schreiben! :D
Die Schichten wechseln immer wöchentlich, d.h. diese Woche
arbeite ich immer vormittags. Die nächste Woche geht’s dann erst mal aufs
Zwischenseminar nach Olmué, ich bin schon gespannt, wie das wird, habe
allerdings ehrlich gesagt nicht allzuviele Erwartungen… Mal schauen.
Danach melde ich mich dann wieder (die über-über-nächste Woche,
wenn ich wieder vormittags arbeite :D) mit einem Reisebericht der letzten
Wochen.
Ganz viele Grüße und bis bald!
Eure Julia
Dienstag, 3. Januar 2012
¡Feliz año nuevo! - Frohes neues Jahr!
Hallo meine Lieben!
Ich wuensche euch allen da draussen alles, alles Gute im neuen Jahr!
Ich hoffe ihr habt Silvester alle genauso schoen verbracht wie ich - wenn auch wahrscheinlich um einiges kaelter :D
Bei mir war alles einfach perfekt, also um einiges besser als die Feiertage um Weihnachten herum!
Zwar wurde auch fuer Silvester wieder ein Tier geschlachtet, allerdings musste ich dieses Mal wenigstens nicht dabei zusehen. Und auch zum Essen gab es jetzt nicht nur Fleisch mit Krautsalat, sondern eine reiche Auswahl an unglaublich vielen und unglaublich leckeren Beilagen.
So haben wir uns also fuer das Essen viel Zeit gelassen - um genau zu sein so viel, dass wir fast Mitternacht verpasst haetten. Aber nach einigen hektischen Minuten standen dann doch alle mit geoeffneten Sektflaschen draussen auf der Strasse und haben auf das neue Jahr runtergezaehlt. Und puenktlich zu Mitternacht fing dann am Himmel ueber Santa Bárbara das Feuerwerk an - uebrigens das erste in der Dorfgeschichte! Und fuer meine Gastmutter zum Beispiel war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ein Feuerwerk live gesehen hat... So war es irgendwie etwas viel besondereres als in Deutschland, wo ja so viel geballert wird, dass man gar nicht weiss, wo man zuerst hinschauen soll...
Nach dem (wirklich langen!) Feuerwerk haben wir uns noch gemuetlich zusammengesetzt, viel geredet, viel gelacht und vor allem viel getrunken ;)
Ich bin danach dann noch auf eine Silvesterparty unter freiem Himmel auf halbem Weg nach Los Angeles gegangen um mich dort mit Saskia und allen moeglichen chilenischen Freunden zu treffen - und es war der absolute Hammer!!
Das einzig bittere war, dass ich am naechsten Morgen um 8 Uhr arbeiten musste... Also bin ich eben direkt vom Feiern ins Heim gefahren ;)
Nachmittags waren wir dann wieder mit der ganzen Familie in den Bergen am Fluss, war wirklich nett, aber ich hab eigentlich die meiste Zeit geschlafen :D
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, jetzt fahren wir erstmal fuer die naechsten zwei Wochen mit ein paar Betreuern und den ganzen Kindern (zur Zeit sage und schreibe 12) in die Berge. Meine Motivation haelt sich allerdings in Grenzen, da das die allerschwierigsten Kinder sind, deren Familiensituation so problematisch ist, dass sie nicht wie alle anderen Kinder nach Hause fahren konnten...
Und auch die Anlage, normalerweise eine Schule, ist total heruntergekommen... Aber es gibt einen Fluss, wo wir die ganze Zeit baden werden und die Kinder freuen sich alle schon total auf die naechsten beiden Wochen, deshalb mal schauen wie es wird :)
Euch auf jeden Fall alles Gute,
bis in zwei Wochen,
Eure Julia
Ich wuensche euch allen da draussen alles, alles Gute im neuen Jahr!
Ich hoffe ihr habt Silvester alle genauso schoen verbracht wie ich - wenn auch wahrscheinlich um einiges kaelter :D
Bei mir war alles einfach perfekt, also um einiges besser als die Feiertage um Weihnachten herum!
Zwar wurde auch fuer Silvester wieder ein Tier geschlachtet, allerdings musste ich dieses Mal wenigstens nicht dabei zusehen. Und auch zum Essen gab es jetzt nicht nur Fleisch mit Krautsalat, sondern eine reiche Auswahl an unglaublich vielen und unglaublich leckeren Beilagen.
So haben wir uns also fuer das Essen viel Zeit gelassen - um genau zu sein so viel, dass wir fast Mitternacht verpasst haetten. Aber nach einigen hektischen Minuten standen dann doch alle mit geoeffneten Sektflaschen draussen auf der Strasse und haben auf das neue Jahr runtergezaehlt. Und puenktlich zu Mitternacht fing dann am Himmel ueber Santa Bárbara das Feuerwerk an - uebrigens das erste in der Dorfgeschichte! Und fuer meine Gastmutter zum Beispiel war es das erste Mal in ihrem Leben, dass sie ein Feuerwerk live gesehen hat... So war es irgendwie etwas viel besondereres als in Deutschland, wo ja so viel geballert wird, dass man gar nicht weiss, wo man zuerst hinschauen soll...
Nach dem (wirklich langen!) Feuerwerk haben wir uns noch gemuetlich zusammengesetzt, viel geredet, viel gelacht und vor allem viel getrunken ;)
Ich bin danach dann noch auf eine Silvesterparty unter freiem Himmel auf halbem Weg nach Los Angeles gegangen um mich dort mit Saskia und allen moeglichen chilenischen Freunden zu treffen - und es war der absolute Hammer!!
Das einzig bittere war, dass ich am naechsten Morgen um 8 Uhr arbeiten musste... Also bin ich eben direkt vom Feiern ins Heim gefahren ;)
Nachmittags waren wir dann wieder mit der ganzen Familie in den Bergen am Fluss, war wirklich nett, aber ich hab eigentlich die meiste Zeit geschlafen :D
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, jetzt fahren wir erstmal fuer die naechsten zwei Wochen mit ein paar Betreuern und den ganzen Kindern (zur Zeit sage und schreibe 12) in die Berge. Meine Motivation haelt sich allerdings in Grenzen, da das die allerschwierigsten Kinder sind, deren Familiensituation so problematisch ist, dass sie nicht wie alle anderen Kinder nach Hause fahren konnten...
Und auch die Anlage, normalerweise eine Schule, ist total heruntergekommen... Aber es gibt einen Fluss, wo wir die ganze Zeit baden werden und die Kinder freuen sich alle schon total auf die naechsten beiden Wochen, deshalb mal schauen wie es wird :)
Euch auf jeden Fall alles Gute,
bis in zwei Wochen,
Eure Julia
Montag, 26. Dezember 2011
Lebenszeichen
Hallo meine Lieben!
So, nun melde ich mich auch endlich wieder einmal. Es tut
mir wirklich wahnsinnig leid, dass ich so lange nichts mehr geschrieben hab –
ich kann es selbst gar nicht fassen, dass jetzt Weihnachten schon wieder vorbei
ist und Silvester schon fast vor der Tür steht!
Meine Eltern haben mir erzählt, dass schon alle nach mir
fragen und sich Sorgen machen – müsst ihr nicht! Es ist einfach so, dass ich
hier in letzter Zeit so viel erlebt und gemacht habe, dass ich kaum an
Deutschland gedacht habe und schon gar nicht die Zeit gefunden habe, einen
Blogeintrag zu schreiben.
Aber jetzt an Weihnachten musste ich natürlich sehr an
daheim denken und habe meine Familie natürlich schon sehr vermisst – gerade
weil Weihnachten dieses Jahr so komplett anders war.
Sowieso hatte ich hier den gesamten letzten Monat nicht das
kleinste bisschen Weihnachtsgefühl – was einerseits daran lag, dass ich immer
so viel unterwegs war, dass ich eigentlich nie Zeit dazu hatte, nachzudenken,
aber andererseits auch einfach an den Temperaturen hier lag: Wie kann denn
Weihnachten sein, wenn es draußen 38°C warm ist? Da hat es auch nicht geholfen,
dass hier alle Geschäfte und Häuser weihnachtlich dekoriert sind (Schnee,
Schlitten und Weihnachtsmützen eingeschlossen!). Und dann die Weihnachtsmusik: „Let it snow“ und „Last Christmas“
im Sommer fühlen sich doch sehr unreal an…
Auch der 24. hat sich einfach total seltsam angefühlt. Hier
im Haus haben alle schon vormittags angefangen, das Essen für abends
vorzubereiten. Und während bei meiner Familie in Deutschland die Bescherung
angefangen hat – haben wir hier im Hof ein Schaf geschlachtet.
Das war dann tatsächlich der Gipfel des unrealen Gefühls:
Schon am Morgen bin ich nämlich von dem unglaublich nervigen Gemähe eines
Schafs aufgewacht, das bei uns im Hof angebunden war. Und dann, nach dem
Mittagessen, wurde dieses Schaf eben geschlachtet: Zuerst wurden im drei Beine
zusammengebunden, dann wurde es an einem Hinterhuf mit einem Seil nach oben
gezogen. Mein Gastvater, Rafael, hat dann unser Küchenmesser geschärft und es
dem Schaf dann schließlich in den Hals „gerammt“.
Als dann das Blut rausgelaufen ist, kam meine Gastmutter mit
einer Schale, wo schon Zwiebeln und Koriander vorbereitet waren.
Diese Schale wird dann unter den Hals des Schafs gehalten
bis sie mit Blut voll ist. Nach ein bisschen Warten ist das Blut geronnen und
zu einem dunkelroten Glibberbrei geworden – fertig ist das „Ñache“, eine
chilenische „Spezialität“, das zusammen mit Zitronensaft, Brot und Rotwein
verspeist wird…
Ich hab das ganze auch probiert, und ehrlich gesagt war es
weniger schlimm, als ich es mir vorgestellt hatte. Es hat eigentlich gar nicht
nach Blut geschmeckt, sondern ziemlich stark nach Schaf – das ekelhafte ist
aber einfach die Beschaffenheit, die sehr an Wackelpudding erinnert…
Außerdem war das schreckliche, dass das Schaf während der
ganzen Prozedur noch gelebt hat!!! Rafael hatte nämlich die Halsschlagader
nicht richtig getroffen, sodass das Schaf sehr langsam verendet ist…
Anschließend wurde es dann schließlich gehäutet und
ausgenommen. Das war dann ehrlich gesagt ziemlich interessant, die ganzen
Innereien und Organe mal zu sehen…
Danach waren wir dann arbeiten, was ein ziemlicher Witz war,
weil im Heim nur vier Kinder waren, der Rest war nämlich bei seinen Familien
daheim.
Abends, als wir nach Hause kamen, haben wir dann schließlich
das Schaf gegrillt und gegessen. Das war im Prinzip total lecker, aber
insgesamt fehlt mir bei dem chilenischen Essen einfach die Raffinesse: Es gab
neben dem purem Fleisch (das übrigens mit dem Händen gegessen wird) – wie bei
jedem Mittag- und Abendessen – nur Tomaten- und Rotkrautsalat und natürlich
Brot. Die Salate sind alle nur mit Salz und Zitronensaft zubereitet, und das
Brot ist auch immer das gleiche…
Um Mitternacht fand schließlich die Bescherung statt, was
aber auch ganz anders als in Deutschland war, weil kaum etwas verschenkt wurde,
nur die Kinder von unserer „Schwester“, (7 und 10 Monate alt), haben reichlich
Spielzeug bekommen.
Dann saßen wir noch bis in die Morgenstunden zusammen, haben
geredet, getrunken und viel gelacht :)
Am nächsten Morgen sind wir dann schon um 8 (geplant war
eigentlich 7 Uhr) in die Berge gefahren, zu einem wunderschönen Fluss, wo ganz
viele Familien den 25. verbringen. Dort haben wir dann ersteinmal gefrühstückt,
und ich für meinen Teil hab mich dann danach in die Sonne gelegt und ersteinmal
bis zum Mittagessen geschlafen.
Deshalb habe ich auch nur am Rande mitgekriegt, wie das
nächste Tier geschlachtet wurde: Eine Ziege, die die Familie mit dem Schaf
zusammen gekauft hatte. Dieses arme Tier tat mir noch viel mehr leid als das
Schaf vom Vortag, um es zu transportieren wurde es nämlich gefesselt und mit
dem ganzen restlichen Essen und Trinken im Kofferraum verstaut…
Ich hab es nicht gehört, aber Maria hat mir erzählt, dass
die Ziege ganz schrecklich geschriehen hat, ich meine, sie war da immerhin fast
zwei Stunden drin, und das bei Hitze und Schotterpisten…
Sowieso ist das Verhältnis der Chilenen zu Tieren doch sehr,
sehr anders als bei uns, und das schockt mich schon immermal wieder.
Sowieso hab ich mich an diesem Tag irgendwie total komisch
gefühlt. Das einzige, was wir eigentlich den ganzen Tag gemacht haben, war
nämlich gegessen (und getrunken). Zuerst natürlich gefrühstückt, wie immer
Brot, Tomate und Avocado.
Dann, während ich geschlafen habe, wurde wieder „Ñache“
gegessen, diesmal eben von der Ziege… Wie gesagt, bei dem ganzen
Schlachtungsprozess hab ich mich ziemlich ausgeklingt, denn irgendwie war alles
noch viel seltsamer als bei uns auf dem Hof – ich meine, wir waren da mitten an
einem öffentlichen Platz, um uns herum lauter andere Familien, von denen jeder
seine eigene Ziege oder sein eigenes Schaf hatte – die der anderen waren aber
wenigstens von Anfang an tot…
Dann, zum Mittagessen gab es erstmal die Reste vom Schaf vom
Vortag – natürlich auch nur wieder mit Tomaten- und Krautsalat und Brot.
Den Nachmittag über haben eigentlich alle nur auf der Wiese
gelegen und geschlafen, und dann gab es auch schon wieder Abendessen – Überraschung:
Gegrilltes. Diesmal die Ziege, und nur mit Tomatensalat…
Danach sind wir dann auch schon wieder heimgefahren.
Einerseits war der Tag wirklich schön, es war tolles Wetter,
wir haben im Fluss gebadet… Aber andererseits hab ich mich auch selten so anders
gefühlt, als die Chilenen. Vor allem fand ich es total schade, dass an dem Tag
alle irgendwie separiert waren, immer haben ein paar Leute geschlafen, ein paar
waren am Fluss, ein paar haben gegessen… Irgendwie hat das
Zusammengehörigkeitsgefühl gefehlt, das ich bei uns daheim bei der Familie so
mag.
Maria ist es ziemlich genauso gegangen, wir haben uns danach
noch total lange unterhalten, und ich bin doch sehr froh, dass ich jemandem
hab, mit dem ich mich da so austauschen kann… Denn ich glaube, bei uns in Santa
Bárbara ist es doch nochmal ganz anders, als beispielsweise in Los Angeles. Wir
leben nämlich hier schon sehr auf dem Land, wo eben die Leute viel, viel ärmer
sind als in den Städten… Und eben irgendwo noch viel „naturverbundener“ ;)
Gestern abend, als wir nach Hause gekommen sind, hatte ich
dann auch dementsprechend schon ein bisschen Heimweh, weil dieser Tag so
komplett anders war als bei uns zuhause…
Das hört sich jetzt so aufgeschrieben alles irgendwie sehr
negativ an. Das nervt mich ein bisschen, weil ich hier eigentlich im
Allgemeinen total glücklich bin und mich wirklich wohlfühle – nur manchmal wird
einem eben bewusst, dass hier doch einiges anders ist als zuhause. Und während
wir die ersten drei Monate eigentlich immer nur so in den Tag gelebt haben und
uns ein wenig treiben gelassen haben, fängt man jetzt immer mehr an, über alles
nachzudenken, und irgendwie zu vergleichen – das ist es wohl, was bei dem
Vorbereitungsseminar immer „Kulturschock“ gehießen hat.
Jetzt muss ich blöderweise los, arbeiten gehen, und beende
den Blogeintrag also hiermit.
Ich hoffe, das ich das ganze Thema demnächst mal weiter
ausführen kann… Und ich werde versuchen, wieder ein bisschen regelmäßiger zu
schreiben ;)
Ich hoffe, euch geht es allen gut, und macht euch keine
Sorgen, auch wenn dieser Eintrag ein bisschen negativ geworden ist, bin ich im
allgemeinen hier sehr, sehr glücklich – nur jetzt um Weihnachten herum eben ein
bisschen nachdenklich und ein bisschen wehmütig :)
Alles, alles Liebe aus dem sonnigen Chile ins regnerische
Deutschland,
Eure Julia
| Das Schaf |
| Zubereitung des Ñache |
| Ñache |
Mittwoch, 9. November 2011
verschiedenes :)
Hallo meine Lieben!
Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb poste ich heute einfach mal wild durcheinander Bilder aus den letzten Wochen und verzichte auf einen ausführlicheren Bericht :)
Ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb poste ich heute einfach mal wild durcheinander Bilder aus den letzten Wochen und verzichte auf einen ausführlicheren Bericht :)
| in Chillan (schon einige Wochen her :)) |
| eine altertümliche Mapuche-Vase - ist die nicht süß? :D |
| Die im Reiseführer als "90 Meter hohes Kunstwerk" beschriebene Mauer :D |
| Cappuchino in Chillan |
| übrigens im Café "Fuente Aleman", gegründet von einer Deutschen :D |
| Assado an Yorfas Geburstag |
| (so viel Fleisch! :D) |
| unsere Geburstags-Donauwelle :) |
| Saskia und ich genießen die ersten Sonnenstrahlen :D |
| Ausflug an eine Lagune in der Nähe von Santa Bárbara |
| Ist die Brücke nicht vertrauenserweckend? :D |
| so schön friedlich :) |
| Frühling in Santa Bárbara |
| eine Araukarie |
| der Bus in die Berge |
| (ich würd mein Gepäck da ja nicht drauf tun :D) |
| Alicia (am Geburstag vom Heim) |
| ja, ich war ein bisschen müde :D |
| Yogawochenende in den Bergen :D |
| Digueñe (ein Pilz den es nur hier und nur an diesem Baum gibt, eine Mapuche-Spezialität - als Salat unglaublich lecker!) |
Achso, übrigens hab ich jetzt mein Rückflugdatum: Ich komme am 18.September 2012 um 11:35 Uhr in Frankfurt an... Das fühlt sich aber zur Zeit noch ein wenig unreal an ;)
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